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Die Alternative zum Stativ
Eine Frau lacht, ein Clown reist seinen Mund auf, ein Mann trägt einen Sack und eine Blaskapelle unter einem Steg. Beispiel für schöne Fotos von Menschen
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6 Minuten

Schöne Fotos von Menschen – Das Wichtigste bei Portraits

Es sind oft nur kurze Momente, die ein Portrait interessant machen.
Gert Wagner
Veröffentlich: 17.06.22

Mit einem kräftigen Kick warf die Bäuerin den Anlasser ihres Motorrads an, eine zweite kletterte auf den Rücksitz, mit einem fetten Huhn unterm Arm. Ich hatte kaum Zeit zum Fokussieren, da brausten die beiden Damen schon davon. Aber ich hatte mein Portrait, mitten aus der ländlichen Idylle, mit Huhn, Zinkwanne an der Wand und rosa Schlüpfer an der Wäscheleine.

Im weiten Feld der Fotografie gehören Menschen zu den spannendsten Motiven. Und oft sind es die kurzen, spontanen Szenen, die Portraits lebendig machen oder eine Geschichte erzählen. Auch einige technische Aspekte sind wichtig, wie Licht, Brennweiten, Perspektiven, Stativ oder Monopod.

Auf diese Aspekte werden wir im Folgenden eingehen, um dir zu helfen, deine Fähigkeit darin zu verbessern, schöne Fotos von Menschen zu machen.

Portraits sind Dialoge

Menschen fotografieren ist Vertrauenssache, dazu gehören auch Offenheit und Respekt. Porträts sind ein Austausch zwischen zwei Menschen, eine intime Begegnung, denn beide haben eine unausgesprochene Vereinbarung: Der eine zeigt etwas von sich, der andere macht es mit der Kamera sichtbar. Und es gibt die kleinen, besonderen Momente, kurz davor, kurz danach, oder dazwischen. Sie sind entspannt, ohne Pose, ohne Absicht, und vermitteln ein wenig mehr Authentizität. Manchmal sind das die interessanteren Porträts, sie sprechen uns direkter an, weil sie ohne die Filter von Kontrolle, Eitelkeit, Befangenheit sind.

Für die Portraitfotografie gibt es unterschiedliche Konzepte. Es kann der Schnappschuss sein, aus der Situation heraus, ohne Vorbereitung, ohne Pose. Meist sind das die natürlicheren Bilder. Oder die Portrait-Sitzung, oft mit sorgfältig gesetztem Licht, mit ausgesuchter Garderobe, sauber geschminkt. Hier bestimmt der Protagonist noch kontrollierter, wie er wirken möchte.

Dann gibt es die simulierte Situation, Porträts von Menschen bei ihrer typischen Tätigkeit, sorgfältig inszeniert von den Requisiten bis zum Licht. Oder der ganze Mensch, eingebunden in sein typisches Umfeld. Ein besonderes Genre ist die Werbe- und Modefotografie. Hier ist nichts mehr natürlich, dennoch sollen die Szenen glaubwürdig und authentisch rüberkommen. Modell und Fotograf arbeiten gemeinsam an der Bildwirkung.

Früher habe ich auf meinen Reisen versucht, Menschen unbemerkt zu fotografieren. Das funktioniert eigentlich nur mit einem sehr langen Teleobjektiv aus einer gewissen Entfernung, oder einem Weitwinkelobjektiv aus der Nähe. Da hält man die Kamera scheinheilig in eine etwas andere Richtung, hat aber den Menschen immer noch seitlich im Bild, ohne dass es ihm bewusst ist. Heute bin ich höflicher und rücksichtsvoller geworden. Bevor ich fotografiere, spreche ich mit den Menschen, und ich muss mich auch absichern, sollte ich das Bild später verwenden.

Die richtige Atmosphäre für schöne Fotos von Menschen

Wenn ich Menschen fotografiere, bestimmt mein Kontakt mit ihnen die Qualität und die Aussage meiner Bilder. Ganz wichtig ist mir dabei eine entspannte Atmosphäre. Diese kann schon entstehen durch ein Gespräch vorher und ohne Kamera. Während der Aufnahmen versuche ich zu motivieren mit anerkennenden Bemerkungen. Manchmal beginne ich schon zu fotografieren kurz bevor es offiziell losgeht, und auch noch am Ende, wenn es eigentlich schon vorbei ist. Dabei ergeben sich besonders lockere Momente, die überraschend lebendige Ausdrucksformen hervorbringen. Bei Gruppenfotos finde ich diese Taktik sehr hilfreich, ganz im Gegensatz zu den oft steifen Bildern, wie man sie häufig sieht, wenn Menschen für die Kamera posieren.

Meistens zeige ich meinem Protagonisten auch die ersten Ergebnisse auf dem Kameradisplay und wir überlegen gemeinsam, wie wir weitermachen wollen. Das inspiriert und macht uns beide zu einem motivierten Team.

Objektive für Portraitfotografie

Vom Weitwinkel- bis zum Teleobjektiv ist alles möglich, es hängt von der Bildkomposition ab. Das Weitwinkel-Objektiv sollte man allerdings nur mit Vorsicht einsetzen, denn zu nah am Gesicht kann es
leicht die Physiognomie verändern. Meist wird dabei die Nase größer und damit das Gesicht nicht gerade hübscher.

Der Vorteil ist die Einbeziehung des Umfeldes, ohne dass dies in der Unschärfe verschwimmt. Das mittlere Teleobjektiv zwischen 80 und 150 mm (Kleinbild-Standard) zeigt das Gesicht in seiner natürlichsten Form und lässt bei offener Blende den Hintergrund unscharf, wodurch die Ausdruckskraft des Portraits verstärkt wird. Dabei ist wichtig, immer auf die Augen zu fokussieren.·Die Ohren und die Nase dürfen leicht unscharf werden, aber die Augen müssen scharf sein.

Perspektive und der perfekte Ausschnitt

Beides bestimmt entscheidend die Aussage. Die extreme Nahaufnahme vermittelt eine ganz besondere Intensität. Bei engem Ausschnitt an Kinn und Stirn kann das Gesicht so nah sein, dass keine Falte, kein Detail verborgen bleibt. Das Gegenteil ist die Einbeziehung des Umfeldes mit dem Weitwinkel-Objektiv. Es kann eine Geschichte erzählen und den Mensch deutlicher mit seiner speziellen Welt in Verbindung bringen.

Auch die Perspektive verändert eine Aussage. Im Film “Westside Story” zum Beispiel wurde die Latino Gang im New Yorker Ghetto der dreißiger Jahre gern vom erhöhten Standpunkt aus aufgenommen, von oben herabschauend. Die Gruppe der weißen Gegenspieler dagegen wurde mehr von unten gefilmt, also aufschauend. Dahinter steckte die klare Intention, eine Gruppe über die andere zu erheben. Mit dem Blick nach oben wird die Bedeutung einer Persönlichkeit erhöht, umgekehrt wird der Mensch buchstäblich kleiner gemacht.

Das richtige Licht, um die Schönheit des Menschen einzufangen

Die Wirkung eines Porträts hängt natürlich auch entscheidend vom Licht ab. Beim Film ist der Kameramann für Licht und Stimmung verantwortlich. Manche Schauspielerinnen haben ihren bevorzugten Kameramann, der sie besonders vorteilhaft aussehen lässt, und die Stars bestehen oft auf ihrem Liebling an der Kamera. Als eingespieltes Team wissen sie um die vorteilhafteste Perspektive und die differenzierte Wirkung von Licht und Schatten für eine attraktive Erscheinung.

Bei grellem Außenlicht vermeide ich den gleißenden Sonnenstrahl auf Gesichtern. Alles wirkt dann hart, Falten werden überdeutlich, jeder Pickel drängt sich nach vorn, die Nase wirft eventuell einen harten Schlagschatten, die Augen blinzeln irritiert. Darum lasse ich helles Sonnenlicht höchstens von der Seite zu. Wenn die Sonne tief steht, kann das wärmere Licht aber durchaus schmeichelhaft sein.

Wenn sich die Lichtrichtung partout nicht verändern lässt, und wenn man zum Beispiel das Umfeld nicht zu hell haben möchte, dann empfiehlt sich ein Reflektor, eine weiße Fläche, mit der man das Gesicht weich aufhellen kann. Zur professionellen Lichttechnik im Freien gehören solche Hilfsmittel ohnehin: halbtransparente, auf einen Rahmen gespannte Tücher, mit denen hartes Sonnenlicht gebrochen wird, und Reflektoren zum Aufhellen von Schattenpartien. Hier bestimmen unterschiedliche Materialien die Wirkung: Weiß ist gut für weiches, Silber für hartes, Gold für warmes Licht.

Draußen, wie auch in Räumen, bevorzuge ich das Gegenlicht. Es hat viele Vorteile: auf der Schattenseite ist das Licht auf dem Gesicht weich, man sollte nur darauf achten, hier nicht zu stark unterzubelichten. Der Hintergrund wird dann automatisch überbelichtet und tritt damit mehr zurück, so wird der Vordergrund betont. Das Licht von hinten/oben beleuchtet Haare und Schultern und belebt die Szene. Wenn es ein wenig seitlich steht, streift es Ohr und Wange, das bringt Tiefe ins Bild. Im Studio benötige ich nur zwei Lichtquellen: ein kräftiger Strahl von hinten/oben, ein weicher Aufheller von vorn. Wenn ich diesen ein wenig zur Seite rücke, entsteht ein Licht-Schatten Verlauf, der dem Portrait gut bekommt, das Bild hat noch mehr Ausdruckskraft.

Ein Mechaniker lacht in die Kamera, ein Mann riecht an einem Schnaps-Glas, eine Frau sitzt in ihrem roten Auto und ein Mann steht vor einem Tisch.

Die richtige Technik für Portrait-Fotos

Beweglichkeit ist ein wichtiger Teil meines Stils in der Auseinandersetzung mit meinen Motiven - auch wenn ich ein Porträt fotografiere. Mein Protagonist soll sich frei bewegen können und ich möchte ihm mit der Kamera folgen. Beugen oder Neigen des Kopfes, Schritte seitlich oder nach hinten oder vorn, Armbewegungen, die viel Bildausschnitt benötigen - dafür muss ich flexibel bleiben.

Aber oft erlauben die Lichtverhältnisse keine kurzen Belichtungszeiten, bei so viel Bewegung muss dann die Kamera stabilisiert werden. Das ist ein altes Thema bei mir und ich habe viel experimentiert, um dieses Problem so optimal wie möglich zu lösen. Natürlich ist ein Stativ sehr hilfreich, und den Bewegungen meines Motivs kann ich folgen, wenn ich den Kugelkopf nicht arretiere. Auf Reisen aber, bei Sport und Events ist Beweglichkeit ein besonders hohes Gut, da ist ein Monopod praktischer als selbst ein Reisestativ. Letzten Endes habe ich für mich die eleganteste Methode gefunden: Ich fotografiere mit der Steadify-Technik. Sie stützt die Kamera aus der Hüfte, das bietet mir totale Beweglichkeit und gleichzeitig die Stabilität, die ich benötige.

Menschen sind ständig in Bewegung, kaum etwas an ihnen bleibt über längere Zeit ruhig. Die Lippen, der Blick, die Wimpern, Kopf, Arme - als Fotograf kann man nicht immer die Kontrolle über jedes Detail und das optimale Gesamtbild haben. Darum sollte man großzügig viele Bilder machen, das verbessert die Chancen auf ein gelungenes Foto von Menschen.

Schöne Fotos von Menschen: Eine Frau hält einen großen Fisch und lacht in die Kamera & 5 Männer ziehen auf einem Schiff ein Seil

Die Fotos zeigen alle beschriebenen Aspekte, die für schöne Fotos von Menschen wichtig sind: Licht, Ausschnitt, Perspektive, Brennweiten, Schnappschuss, Inszenierung.

FAQs

Grundsätzlich 80-150 mm, damit bleibt das Gesicht in seinen natürlichen Proportionen. Für mehr Einbeziehung des Umfeldes benötigt man eher kurze Brennweiten, sie sollten nur nicht zu dicht am Gesicht sein, weil sich dann die Proportionen verzerren können. Bei besonders langen Brennweiten und offener Blende wird der Hintergrund unscharf, damit wird das Portrait noch mehr betont - ein begehrter Effekt in vielen Bereichen von Fotografie und Film.
Durch möglichst viele Bilder, dann ist die Wahrscheinlichkeit am größten, geschlossene Augen zu vermeiden. Wind kann aber auch zu mehr Wimpernschlag führen, genauso wie zu helles Licht direkt von vorn.
Im Gegenteil: Je enger der Ausschnitt, desto intensiver wird das Portrait.
Da die Geduld von Kindern sich schnell erschöpft, sollte man alle Vorbereitungen vorher treffen. Am besten lässt man sie frei agieren und sucht sich die besten Momente aus. Durch viele Fotos erhöhen sich die Chancen auf natürliche, frische Kinderfotos.
Tatsächlich lassen sich sehr dunkle Gesichter viel schwieriger fotografieren als helle. Besonders dunkle Haut schluckt viel Licht, Konturen gehen dabei leicht unter. Direktes Licht kann auch störende Reflexe auf der Haut verursachen. Aus diesen Gründen ist es wichtig, das Gesicht mit einem weichen, hellen Licht auszuleuchten und gleichzeitig immer auf die dunklen Partien zu messen unter Ausschluss des Umfeldes.
Auf engem Raum ist der Ausschnitt und das Umfeld begrenzt, hier muss die Kamera permanent auf einer Einstellung fixiert bleiben. Dafür eignet sich ein Stativ gut, auch dann, wenn eine kürzere Belichtungszeit möglich ist. Sobald aber mehr Platz für viel Gestik und Bewegungen ist, empfiehlt sich eine Kamera-Stabilisierung von der Schulter oder Hüfte: Schulterstativ oder Steadify. Damit hat man mehr Spielraum, den Bewegungen des Protagonisten zu folgen. Bei kürzeren Belichtungszeiten fotografiert man dann am besten nur aus der Hand.
Schwarz/weiß Portraits sind nicht schöner, haben aber eine besondere Intensität, besonders wenn man die Kontraste erhöht.

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